EU-Netzwerkprojekt Frankfurt (Oder) und seine Partnerstädte

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Bericht Europarat 2006

Grenzübergreifende Zusammenarbeit der Städte Frankfurt (O) und Slubice

im Jahr 2006

Im Jahr 2005 erhielt die Zusammenarbeit zwischen Frankfurt (O) und Slubice eine neue Qualität durch die aktive Beteiligung am durch die finnischen Stadt Imatra koordinierten Interreg IIIC EU- Projekt, einem internationalen Netzwerk der Zwillingsstädte „city-twins“.

Die fünf Zwillingsstädte Imatra/  Svetogorsk (Finnland/ Russland), Tornio/ Haparanda (FIinnland/Schweden), Narva/ Ivangorod (Estland/ Russland) und die deutsch-polnischen Zwillingsstädte Görlitz/ Zgorzelec & Frankfurt (Oder)/ Slubice) (siehe auch www.citytwins.net) vergleichen die Zusammenarbeit an den verschiedenen Grenzen, lernen voneinander und führen gemeinsame Aktionen durch. Dabei geht es vor allem um den Austausch von Erfahrungen und „Besten Praxisbeispielen“ zu den unterschiedlichsten Themen. Frankfurt (O) und Slubice sind hierbei verantwortlich für den Bereich „Wirtschaft, Arbeitsmarkt und grenzüberschreitenden Fragen“. Zum Ende des Jahres 2006 lief das Projekt aus. Alle teilnehmenden Städte sind daran interessiert, die Zusammenarbeit auch über die Dauer des Projektes hinaus fortzuführen. Deshalb wurde auf der Abschlusskonferenz im Dezember im finnischen Imatra eine Vereinbarung über die Gründung einer „City Twins Association“ unterzeichnet. Dazu wurde auf der letzten gemeinsamen Stadtverordnetenversammlung in Slubice im Oktober ein entsprechender Beschluss beider Stadtparlamente gefasst.
Vor dem Hintergrund des Projektes wurden die regelmäßigen Treffen der Mitarbeiter beider Stadtverwaltungen intensiviert. Daneben fand man sich auch zu Freizeitaktivitäten zusammen. So wurde in diesem Jahr erstmal ein deutsch-polnisches Bowlingturnier mit gemischten deutsch-polnischen Mannschaften aus Vertretern der Frankfurter und Slubicer Seite durchgeführt. Daran nahmen Verwaltungsmitarbeiter, Abgeordnete, Schulleiter und Journalisten teil.
 
Ein Thema, mit dem sich die Städte Frakfurt und Slubice und deren Verwaltungen seit langem beschäftigt hatten, konnte leider nicht erfolgreich weitergeführt werden: der
grenzüberschreitende Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) zwischen beiden Städten. Nachdem sich beide Stadtparlamente für die Arbeiten in dieser Richtung ausgesprochen hatten, hat die Frankfurter Stadtverordnetenversammlung beschlossen, dazu eine Bürgerbefragung durchzuführen. Die Mehrheit der an der Befragung teilgenommenen Einwohner hat sich gegen das Projekt ausgesprochen, wodurch für die weitere Zusammenarbeit zwischen den Städten schwierigere Rahmenbedingungen entstanden. Trotzdem hat man die Idee nicht ganz aufgegeben und wird zu einem späteren Zeitpunkt zu dem Thema zurückkehren, denn es wurde ja schon eine große Vorarbeit geleistet. 
 
Ein weiteres im  city-twins- Projekt behandeltes Thema, das von der Verwaltung und den Abgeordneten in den gemeinsamen deutsch-polnischen Ausschüssen diskutiert wird, ist die Wohnraumproblematik: in Frankfurt (O) stehen Tausende von Wohnungen leer und werden abgerissen, in Slubice warten etwa 500 sozial schwache Familien auf eine Wohnung. Die Arbeitsgruppe aus Frankfurter und Slubicer Abgeordneten und Fachleuten hat im abgelaufenen Jahr mehrfach beraten, Europaabgeordnete konsultiert und auch einen gemeinsamen Brief an die Brandenburger und Lubusker Europaabgeordneten mit der Bitte um Unterstützung gerichtet. Auf der gemeinsamen Stadtverordnetenversammlung im Oktober wurde eine entsprechende Petition an das Europäische Parlament verabschiedet.
 
Nachdem es im vergangenen Jahr ein erstes Treffen der Kollegen der Frankfurter Bauverwaltung mit den Kollegen der zweiten polnischen Partnerstadt Gorzow gab, wurde dieser Erfahrungsaustausch in diesem Jahr in Frankfurt fortgesetzt.
 
Besonders vielfältig waren in diesem Jahr wieder die grenzüberschreitenden Aktivitäten auf kulturellem Gebiet.
 
Das Kleistforum in Frankfurt und das Collegium Polonicum in Slubice waren Veranstaltungsort der Reihe „Terra Transoderana – Geschichten im Fluss – eine deutsch-polnische Gesprächsreihe über die gemeinsame Vergangenheit des Oderraumes“, die auf deutscher und polnischer Seite großes Interesse fand. Veranstalter dieser Reihe waren wiederum deutsche und polnische Studierende vom Verein „transkultura“.
 
Im November fand bereits zum dritten Mal in Frankfurt (O) und Slubice das Festival „transVOCALE“ statt, ein europäisches Festival für Lied und Weltmusik in Frankfurt (O) und Slubice, das gemeinsam vom Frankfurter Kleist-Forum und dem Slubicer Kulturhaus veranstaltet wurde.
 
Bereits zum fünften Mal wurde in der Reihe „Herbstsalon der polnischen Literatur“ durch die in Frankfurt (O) lebende Übersetzerin Karin Wolff Geschichte durch Geschichten vermittelt. Insbesondere auch für ihr Anliegen, gegen Vorurteile und Unkenntnis anzugehen, erhielt sie bereits zahlreiche deutsche und polnischen Auszeichnungen.
 
Im Zusammenhang mit dem diesjährigen HanseStadtFest  „Bunter Hering“ in Frankfurt (O) fand in Frankfurt wieder ein deutsch-polnischer Unternehmerstammtisch statt, bei dem Unternehmer aus Frankfurt (O) und Slubice Erfahrungen austauschten und Kontakte knüpften.
In diesem Jahr waren eine jeweils eine  Kulturgruppe aus der belorussischen Partnerstadt Witebsk und aus Heilbronn, der Partnerstadt von Frankfurt (O) und Slubice, Gäste beim Stadtfest. Beide Gruppen begeisterten die Zuschauer mit ihren mitreissenden Programmen.
 
Studenten der Europa-Universität Viadrina zeigten drei Monate lang die Ausstellung „Oder Panorama – Bilder von einem europäischen Strom“, die viel Wissenswertes über diesen Fluss vermittelte, an dem unsere beiden Städte liegen.
Diese Ausstellung fand auch großes Interesse bei den deutschen und polnischen Teilnehmern des diesjährigen „Oderflis“. Die polnische Meeres- und Flussliga organisiert seit 11 Jahren auf der Oder eine wassertouristische Veranstaltung mit dem Namen „Oderflis“. Haupverantwortlich ist die Hochschule für Ökonomie und Tourismus in Szczecin. Über das Flis wollen die Organisatoren unter der Jugend die Problematik der Bewirtschaftung der Oder propagieren. Darüber hinaus werden die Traditionen und Gebräuche der polnischen Flussflößerei popularisiert.
 
Wie bereits in den vergangenen Jahren waren Frankfurt (O) und Slubice auch in diesem Jahr wieder mit einem gemeinsamen Stand beim 26. Internationalen Hansetag in Osnabrück vertreten. Die Delegationen beider Städte wurden jeweils von den Bürgermeistern geleitet.
 
Frankfurter Kulturgruppen waren in diesem Jahr auch international aktiv.
So nahm die Frankfurter Fanfarengarde als Botschafter für Frankfurt am Musikfestival in Genua teil. Das war bereits der vierte Besuch der Frankfurter in der Stadt. Seit zehn Jahren besteht diese Freundschaft zu einem der besten Amateur-Blasorchester Europas, der Filarmonica Sestrese“. Auf der Hinfahrt machten die jungen Musiker Zwischenstopp in Mailand und gaben ein erstes Konzert in der Nähe des Domes. 2007 wird die Filarmonca Sestrese nach Frankfurt (O) kommen.
 
An der Frankfurter Musikschule gibt es mehrere deutsch-polnische Projekte. Das sind neben dem deutsch-polnischen Jugendorchester, die deutsch-polnische Bigband, und deutsch-polnische Streicher-, Gitarren- und Akkordeonensembles. In Zusammenarbeit mit der Slubicer Musikschule fanden die Internationalen Gitarrentage statt, die im kommenden Jahr fortgeführt werden sollten.
Das deutsch-polnische Jugendorchester, das vor 33 Jahren im Ergebnis der Zusammenarbeit der Musikschulen aus Frankfurt (O) und Zielona Góra (Polen) entstand, trat zum Jahresbeginn mit einem Neujahrskonzert in Berlin auf. Dabei wurde das Orchester vom Slubicer Chor „Adoramus“ unterstützt, der seit vielen Jahren in der Region Frankfurt (O) und Slubice für seine hohe künstlerische Qualität bekannt ist.
Die Leiterin des Chores ist auch gleichzeitig die Direktorin der Slubicer Musikschule. Ihrem Engagement ist es zu verdanken, dass bereits seit acht Jahren jeweils Anfang Januar in Slubice ein Neujahrskonzert stattfindet, das inzwischen zum festen Bestandteil des Kulturlebens in der Doppelstadt Frankfurt (O) und Slubice geworden ist und immer mehr Zuhörer aus beiden Städten und der Umgebung anzieht.
 
Im Frankfurter Museum Junge Kunst wurden 2006 wiederholt Ausstellung mit polnischem Bezug gezeigt. So präsentierten sich sieben polnische Künstler mit modernen Bildern in der Ausstellung „Gut und billig“.
Seit Anfang November wird im Museum das Video-Projekt „Zeugnisse“ der Berliner Künstlerin Anna Werkmeister gezeigt. Dazu wurden in enger Zusammenarbeit mit Frankfurter und Slubicer Schulen deutsche und polnische Schulabgänger nach ihren Vorstellungen über ihre weitere Zukunft befragt.
 
Die Frankfurter Volkshochschule arbeitet seit vielen Jahren mit dem Slubicer Kulturhaus SMOK zusammen. 2003 wurde eine Kooperationsvereinbarung abgeschlossen, die die gemeinsame Planung und Durchführung von Sprachkursen , die Zusammenarbeit bei grenzüberschreitenden Kunst- und Kulturprojekten und die zukünftige Erweiterung der angebotsstruktur beider Einrichtungen für deutsch-polnische Kurse / Veranstaltungen beinhaltet.
Grundsätzlich ist das Angebot der Volkshochschule für polnische Bürger offen.  Es wird im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ aktiv genutzt, die Kurse hier sind für polnische Nutzer generell ermäßigt.
 
Schüler des Slubier Gymnasiums und Frankfurter Jugendliche vom Jugendclub des Kleistforums arbeiten gemeinsam an einem Stück über Fremdenfeindlichkeit, das zum Jahresende uraufgeführt werden soll.
 
Der Architekten- und Ingenieur-Verein zu Berlin schreibt alljährlichen den Schinkel-Preis aus. In diesem Jahr wurde das städtebauliche Verhältnis von Frankfurt (O) und Slubice überdacht. Dazu wurden in neun Fachsparten 86 Arbeiten eingereicht, die sich alle vor allem mit der Oder beschäftigten, die die Städte trennt und gleichzeitig verbindet. Nachdem die ausstellung der Arbeiten der Preisträger in Berlin gezeigt wurden, kamen sie in die Frankfurter Marienkirche, wo sie breites Interesse fanden. 
 
Die Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (O) arbeitet seit mehreren Jahren mit der Slubicer Stadt- und Gemeindebibliothek zusammen. In diesem Jahr wurden gemeinsam 6 literarische Veranstaltungen durchgeführt.
 
Der Knabenchor der Frankfurter Singakademie weilte zu einer fünftägigen Konzerttournee in Großbritannien.
 
2006 fanden wiederum die studentischen Theatertage „UNITHEA“ statt, bei denen junge professioneller Künstler und Künstlergruppen aus Deutschland und Polen auftraten.
 
Das deutsch-polnische Literaturbüro „Oderregion“ e.V. führte auch in diesem Jahr die „Nacht der Poesie“ mit Autoren aus Frankfurt (O) und Slubice durch.
 
Der deutsch-polnische Verein „Slubfurt“ war gemeinsam mit dem Slubicer Kulturhaus Veranstalter des „Slubfurter Oderfestes“, das am 27. Mai in Frankfurt (O) und Slubice stattfand und bei dem sich auf beiden Seiten zahlreiche Vereine und Initiativen beteiligten.
 
Das Frankfurter Theater im Schuppen nahm in diesem Jahr mit großem Erfolg am Theaterfestival in Grenoble teil.
Frankfurt (O) als Sportstadt hat vielfältige Aktivitäten auf sportlichem Gebiet aufzuweisen. Dazu gehören internationale Wettkämpfe in Frankfurt, wie der Internationale Brandenburg-Cup im Radsport, Judo, Gewichtheben und Boxen ebenso wie die Teilnahme von Frankfurter Sportlern an Welt- und Europameisterschaften (Radsport, Ringen, Boxen, Schwimmen, Karate. Frankfurter Sportler nehmen regelmäßig an Sportveranstaltungen im polnischen Slubice und in der polnischen Nachbarwojewodschaft teil.
 
Im September fanden zum zweiten Mal die Sportspiele der Jugend der Grenzstädte in Frankfurt (O) und Slubice statt. Ideengeber für diese dreitätige sportliche Veranstaltung ist der gemeinsame Kultur- und Sportausschuss der Stadtverordnetenversammlungen von Frankfurt (O) und Slubice. In diesem Jahr war vorgesehen, dass die Partnerschulen der deutschen und der polnischen Seite gemischte Mannschaften bilden, die sich gemeinsam auf den sportlichen Wettstreit vorbereiten, wodurch sie sich natürlich auch besser kennenlernen. Leider stellte sich im Sommer heraus, dass ein problemloser Grenzübertritt, wie es bisher bei Gruppen gehandhabt wurde, nicht mehr möglich ist. Daher wurde die Formel der Veranstaltung kurzfristig geändert. Es gab Wettkämpfe in der Leichtathletik, im Fußball und im Tischtennis. Die Jüngsten – im Alter von 6 Jahren – maßen ihre Geschicklichkeit bei Staffelspielen.
 
Am 16. Sport- und Spielfest der Frankfurter Sportunion im März nahmen insgesamt etwa 1.000 sportinteressierte Eltern und Kinder teil, darunter etwa 50 aus Slubice. Frankfurter Sportler sind regelmäßige Teilnehmer bei Slubicer Sportmeetings, wie z.B. an den traditionellen Läufen zum Tag der Unabhängigkeit, und Frankfurter Einwohner nutzen den neuen Golfplatz in Slubice.
 
Jugendliche aus Frankfurt nahmen wieder am Jugendcamp in der finnischen Partnerstadt Vantaa teil. Zur Teilnahme an diesem Camp lädt Vantaa seit Jahren jeweils eine Gruppe aus allen Partnerstädten ein. Dieses Jugendcamp in Vantaa diente als Vorbild für das Frankfurter Eurocamp, das im Sommer wieder für zwei Wochen Gastgeber des Sommercamps war für je zehn Jugendliche aus Frankfurts Partnerstädten Heilbronn, Slubice, Gorzów, Nimes, Witebsk, und Vantaa (Finnland) sowie dem bulgarischen Vratza, die dort unvergessliche Tage verbrachten und viele neue Kontakte knüpften. Erstmalig war ein Sommerfest für Frankfurter Bürger und den Gästen aus den Partnerstädten , dass in diesem Jahr dem 30- jährigen Jubiläum der Städtepartnerschaft mit Nîmes gewidmet war, Höhepunkt des Sommercamps. Diese erfolgreiche Veranstaltung wird zukünftig immer als quasi Bergfest gefeiert.
 
Frankfurter Schulen haben vielfältige Kontakte zu Partnerschulen in anderen Ländern, mit denen auch in diesem Jahr wieder gemeinsame Projekte realisiert wurden:
·         Die Frankfurter Grundschule Mitte arbeitet seit vielen Jahren mit der Grundschule Nr. 1 in Slubice zusammen. In diesem Jahr wurde gemeinsam mit der Stadt- und Regionalbibliothek Frankfurt (O) und der Slubicer Bibliothek ein Märchenprojekt realisiert. Es wird gemeinsamer Unterricht in den Fächern Deutsch, Polnisch und Sport durchgeführt. Die Schule beteiligte sich auch gemeinsam mit der Slubicer Partnerschule am Workshop zum neuen Stadtwappen von Slubice. Auch mit der Grundschule im polnischen Rzepin besteht eine Zusammenarbeit, in deren Rahmen gemeinsame Theaterbesuche und gemeinsame Sportveranstaltungen stattfinden.
·         Die Grundschule in Frankfurt (Oder) – Boßen hat in diesem Jahr mit der Partnerschule im polnischen Rzepin eine Partnerschaftsvereinbarung abgeschlossen, um die seit mehr als 10 Jahre bestehenden Kontakte zu sanktionieren. Eine Kollegin aus Rzepin führt einmal wöchentlich eine Sprachkurs für die Frankfurter Schüler durch. Schülergruppen beider Schulen führten im Sommer ein 5-tägiges Sprachlager an der polnischen Ostsee durch. 
·         Eine Schülergruppe der Hutten-Schule besuchte wieder die langjährigen Partner im Senegal und sammelte Material über die Stadt. Das soll später in Frankfurt in einer Ausstellung gezeigt werde.
·         Die Frankfurter Lessing-Schule hat gemeinsam mit der Partnerschule aus dem polnischen Kowalow ein einwöchiges Projekt „Wald-Oder-Wiesenprojekt“ durchgeführt, bei dem deutsche und polnische Kinder u.a. gemeinsam eine CD mit Texten in polnischer und deutscher Sprache erarbeitet haben
·         Die Frankfurter Friedensschule  unterhält Kontakte zur Kopernikusschule in Slubice. Es wurden gemeinsame Projekttage durchgeführt. In der Schule gibt es eine Arbeitsgemeinschaft „Polnische Sprache“.
·         Seit mehreren Jahren arbeitet der Bereich der Elektronik am Konrad-Wachsmann-Oberstufenzentrum mit einer Partnerschule im französischen Wissembourg zusammen. Im Frühjahr war wieder eine Gruppe von 22 Schülern aus dem Elsass an der Oder zu Gast. Desweiteren bestehen partnerschaftliche Kontakte zu einer Berufsschule in Banska Stiavnica (Slowakei) und zu einer Hotelschule in Brest (Frankreich).
·         Auszubildende des Frankfurter Oberstufenzentrums I und Schüler des ökonomischen Lyzeums aus der polnischen Partnerstadt Gorzów erstellten gemeinsam eine Studie, in der sie die Wirtschaftsstandorte Frankfurt und Gorzów miteinander vergleichen. Die Schulpartnerschaft besteht seit zwei Jahren. Regelmäßig finden Lehreraustausche und gemeinsame Feste statt. Die Schüler beider Schulen messen sich auch im sportlichen Wettstreit. Die Schulen nehmen auch an einem Internetprojekt zur Datensicherheit teil.
·         Während ihrer Projekttage nahmen 12 Schüler der Frankfurter Waldorf-Schule gemeinsam mit ihren Partnern des Technischen Oberstufenzentrums in Skwierzyna (Polen) an einem Projekt mit dem Titel „Wie bist Du Pole? Wie bist Du Deutscher?“ teil. Ziel des Projektes war es vor allem, dass sich die deutschen und polnischen Jugendlichen besser verstehen lernen und dass bestehende Vorurteile und Berührungsängste abgebaut werden.
·         Im Rahmen des Projektes „Biulding Bridges“ waren Jugendliche aus Israel und Polen zu Gast am Frankfurter Friedrichs-Gymnasium, um gemeinsam an einem Generationsprojekt zu arbeiten. In der Projektwoche entstanden u.a. Lieder, in denen eigene Erlebnisse bei den Begegnungen aber auch Gespräche mit Vätern und Großvätern verarbeitet wurden.
·         Deutsche und polnische Jugendliche trafen sich im Friedrichs-Gymnasium zu einem Netzwerk- und Perspektivtreffen, in dem es um Jugendprojekte in der Grenzregion ging.
·         Seit September wird an zwei Frankfurter Schulen der Polnisch-Unterricht regulär für die Unteren Klassen angeboten. Hier werden Englisch und Polnisch als Begegnungssprachen ab der ersten Klasse und als Unterricht ab der 3. Klasse angeboten.
·         Seit etwa 20 Jahren besteht der Kontakt zwischen dem Überbetrieblichen Ausbildungszentrum Frankfurt (O) und der Bauschule in Gorzów (Polen). Vor einiger Zeit begann man mit Projektarbeiten, die sich zunächst auf die polnische Bauschule beschränkten. So verewigte man z.B. auf dem Schulhof die Stadtwappen der beiden Partnerstädte Frankfurt und Gorzów. In diesem Jahr entschied man sich für ein Projekt für die Stadt Gorzow selbst. Dabei wurde von den Lehrlingen gemeinsam die Fassade eines Gebäudes saniert und rekonstruiert.
·         Auch die Krankenpflegeschule Frankfurt (O) unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu einer ähnlichen Einrichtung im polnischen Opole. Drei Wochen lang hatten deutsche Auszubildende die Möglichkeit, einen Einblick in das polnische Gesundheitswesen und in die Ausbildung polnischer Krankenpfleger zu bekommen. Einige Zeit später waren dann sechs Auszubildende aus Opole zu Gast in Gesundheitseinrichtungen der Stadt Frankfurt (O).
·         Seit 1992 funktioniert das deutsch-polnische Schulprojekt in Frankfurt: 78 Mädchen und Jungen aus Polen lernen z.Zt. am Karl-Liebknecht-Gymnasium. Die Schüler werden in der 10. Klasse aufgenommen und erwerben nach vierjähriger Ausbildung die allgemeine Hochschulreife. Dem Charakter des Projektes trägt zweisprachiger Unterricht in einigen Fächern, z.B. in Kunst und Musik, Rechnung. Das herkömmliche deutsch-polnische Schulprojekt (gemeinsames Lernen deutscher und polnischer Schüler in den Jahrgangsstufen 10 bis zum Abitur in der Jahrgangsstufe 13) wird seit 2005 mit einer erweitereten Basis in der Sekundarstufe I versehen. Dazu erfolgt in den Jahrgangsstufen 7 – 9 eine enge Zusammenarbeit mit dem Parntergymnasium in Slubice.
Es gibt auch zunehmend deutsche Schüler, die für ein halbes oder längstens ein Schuljahr nach Polen gehen und mit individuellen polnischen Partnern gemeinsam lernen.
·         Die Schüler des Frankfurter Gauß-Gymnasiums nehmen seit mehreren Jahren am Kreativwettbewerb „Odyssey of the mind“ teil, der auch internationale Begegnungen beinhaltet. Dazu wurde in diesem Jahr ein naturwissenschaftlicher Wettbewerb zwischen deutschen und polnischen Schülern organisiert.
Die Schule arbeitet im Projekt EUREGIOS mit, einem deutsch-polnischen Projekt im Bereich Wirtschaft-Technik. Desweiteren beteilit sich sie Schule an einem trinationalen Jugendprojekt Spanien/Deutschland/Frankreich.
·         Seit sechs Jahren besteht am Frankfurter Friedrichsgymnasium das Projekt „Building Bridges“, bei dem bereits mehr als 200 Schüler aus Israel gemeinsam mit Palästinensern sowie rund 200 deutsche Schüler und Lehrer Kontakte zueinander knüpfen und sich gegenseitig kennenlernen. In diesem Jahr weilten wiederum 33 Schüler und vier Lehrer  des Frankfurter Gymnasium in Nahost, wo sie ihre langjährigen israelischen und palästinensischen Partner besucht haben, um mit ihnen das Projekt fortzuführen. Während des Aufenthaltes in Israels besuchten sie u.a. auch Frankfurts israelische Partnerstadt Kadima.
 
In diesem Jahr feierte die deutsch-polnische Seniorenakademie ihr sechsjähriges Bestehen. Monatlich finden interessante Vorträge abwechselnd auf der deutschen und auf der polnischen Seite zu interessanten Themen statt. Besucher der Vorlesungen sind nicht nur Senioren aus beiden Städten und dem Umland, sondern auch interessierte Bürger beider Städte. Im Zeitraum von Januar bis Juni fanden 6 Veranstaltungen mit insgesamt 840 Teilnehmern (jeweils die Hälfte aus Deutschland und Polen) statt.
Alljährlicher Höhepunkt für die Senioren ist das deutsch-polnische Seniorensportfest, das in diesem Jahr bereits zum 11. Mal stattfand. Daran nahmen 125 deutsche und 85 polnische Senioren teil.
 
In der Zusammenarbeit mit dem Nachbarkreis Slubice besteht die engste Zusammenarbeit (seit Jahren) zwischen den Berufsfeuerwehren der Stadt Frankfurt und des Kreises Slubice. Jährlich wird eine Vereinbarung über Zusammenarbeit unterzeichnet, die Erfahrungsaustausche, gemeinsame Übungen aber auch gemeinsame Feiern beinhaltet.
Der Frankfurter DLRG-Ortsverband unterstützt seit dem Sommer auf der Basis eines Kooperationsvertrages das Slubicer Kreiskrankenhaus bei medizinischen Notfällen. Die DLRG postiert zweimal wöchentlich für 24 Stunden einen Rettungswagen samt Team in der Rettungsstelle des Slubicer Krankenhauses. Meist fahren deutsche und polnische Retter gemeinsam, um Technik und Gepflogenheiten der jeweils anderen Seite kennenzulernen. Das ist ein Novum im deutsch-polnischen Grenzgebiet, da es zur Zeit noch kein Abkommen für die grenzüberschreitende notfallmedizinische Versorgung gibt. Ein entsprechender Entwurf liegt jedoch vor, und soll möglichst bald unterzeichnet werden.
 
Auf den fünf Frankfurter Regionalmessen waren neben zahlreichen polnischen Unternehmen wieder die Partnerstädte Gorzów und Slubice vertreten. Polnische Firmen sind in immer stärkerem Maße auf den Messen vertreten, so auch auf der Messe für Fitness, Wellness und Gesundheit unter dem Motto „Aktiv und Gesund in der Grenzregion“ sowie auf
der deutsch-polnischen Weihnachtsmesse „Weihnachten 2006“, in diesem Jahr bereits zum zweiten Mal stattfand.
Auf der Frankfurter „Oderlandmesse“ im Oktober waren die Städte Frankfurt und Slubice mit einem gemeinsamen Stand neben der Partnerstadt Gorzów vertreten.
Auch auf der Messe im polnischen Gorzów im November warben beide Städte auf einem gemeinsamen Stand für ihre Region. Eine offizielle Vertretung der Stadt nahm an den
vielfältigen Veranstaltungen der Messe teil. 
Der diesjährige Frankfurter Weihnachtsmarkt wurde bereits zum zweiten Mal als deutsch-polnischer Weihnachtsmarkt gestaltet, wobei in noch größerer Zahl polnische Händler, Handwerker und Künstler vertreten waren und polnische Kulturgruppen auftraten.
 
Auch die Zusammenarbeit mit der weissrussischen Partnerstadt Witebsk entwickelt sich planmäßig weiter. Vor 15 Jahren (1991) wurde in Witebsk die seit langem bestehende Zusammenarbeit zwischen den beiden Städten offiziell durch die Unterzeichnung einer Partnerschaftserklärung besiegelt.
Dieses kleine Jubiläum war Anlass, eine größere Delegation aus Witebsk nach Frankfurt
einzuladen, um gemeinsam Rückschau zu halten auf die bisherige Zusammenarbeit und zu beraten, wie diese Zusammenarbeit in Zukunft noch aktiver gestaltet werden kann.
Dazu fand ein Städtepartnerschaftsseminar statt, bei dem sich auch die zweite Witebsker Partnerstadt Nienburg beteiligte. Die Witebsker Tanz- und Musikgruppe trat bei mehreren Veranstaltungen in Frankfurt (Oder) auf, wie Weihnacht in St. Marien und „Wir sind einen Große Familie“ auf.
Ein symbolträchtiger Höhepunkt war die Einweihung eines Versammlungsraumes im Frankfurter Rathaus als Witebskzimmer. Damit wurde ein erster Versammlungsraum als Städtepartnerschaftsraum eingerichtet und wird künftig der Bürgerschaft insbesondere für deutsch- belarussische Veranstaltungen zur Verfügung stehen, aber auch die Stadtverwaltung und Abgeordneten an die Städtepartnerschaft mit Witebsk erinnern.
Eine Frankfurter Delegation unter Leitung der Bürgermeisterin war in diesem Jahr wieder Gast an der großen Kulturveranstaltung „Slawischer Markt“ in Witebsk.
 
Auch in der Zusammenarbeit mit der französischen Partnerstadt Nimes wurde in diesem
Jahr ein Jubiläum begangen: vor 30 Jahren wurde zwischen Frankfurt (Oder) und Nimes die erste Städtepartnerschaftsvereinbarung unterzeichnet.
Die Partner aus Nimes nahmen dieses Jubiläum zum Anlass, um Vertreter aus allen Partnerstädten zu einer Umweltkonferenz mit gleichzeitiger Stadtpräsentation einzuladen. Frankfurt (O) war mit einer repräsentativen Delegation unter Leitung des Kämmerers angereist. Ihr gehörten neben einer kleinen Musikgruppe der Frankfurter Musikschule auch Vertreter des Bereiches Umweltschutz der Frankfurter Stadtverwaltung an.
Im Gegenzug fand im August im Frankfurter Eurocamp am Helenesee während des Sommercamps der Partnerstädte das schon erwähnte Sommerfest der Partnerstädte unter dem Motto „Spaziergang durch Nimes“ statt, auf dem die 30-jährige Partnerschaft mit Nimes gewürdigt wurde.
 
In den letzten Jahren gab es im Odergebiet eine Mückenplage (Kriebelmücken). Auf deutscher Seite ist vor allem aus Gründen des Umweltschutzes eine Bekämpfung problematisch. Auf polnischer Seite wird seit Jahren eine erfolgreiche Bekämpfung mit verschiedenen Mitteln durchgeführt. Diese Tatsache war Anlass für den Frankfurter Bürgermeister, deutsche und polnische Oderanlieger zu einer „Mückenkonferenz“ nach Frankfurt (Oder) einzuladen, um Erfahrungen auszutauschen und über ein mögliches Zusammenwirken zu diskutieren. Denn die Bekämpfung der Mücken nur auf einer Seite des Flusses ist auf die Dauer nicht sehr wirksam.
 
Die Stadt Frankfurt (O) plant für das nächste Jahr im Zusammenhang mit der Caravan- und Tourismusmesse eine Tourismuskonferenz mit Teilnahme von Partnerstädten. Die Städte werdenn sich auf einem gemeinsamen Stand präsentieren und über ihre angebote für Touristen informieren. Im Vorfeld dieser Konferenz fand ein Vorbereitungstreffen mit Vertretern der Partnerstädte und des Tourismusvereins statt, auf dem erste Absprachen für diese Konferenz getroffen wurden. 
 
Seit mehreren Jahren sind deutsche und polnische Polizeibeamte gemeinsam im
Streifendienst im Grenzgebiet unterwegs. Dazu nahmen jeweils 8 deutsche und polnische Beamte gemeinsam an einem Sprachkurs teil, um sich bei der Arbeit beiderseits der Oder mit den Einwohnern richtig verständigen und die Akzeptanz verbessern können. Bis Jahresende wurden im Polizeipräsidium Frankfurt (O) drei Kurse mit 55 Teilnehmern durchgeführt.
 
In der Stadt Frankfurt (Oder) gibt es weitere vielfältige internationale Beziehungen, die in diesem Bericht nur am Rande erwähnt sein sollen.

Kooperationsprojekte gibt es zwischen den Handwerkskammer, den IHK´s, dem Netzwerk der Business and Innovation Centers; das Frankfurter Institut für umweltorientierte Logistik veranstaltet viermal im Jahr die deutsch- polnischen Verkehrsgespräche, das BBW betreibt das deutsch- polnische Ausbildungsprojekt „Lernende Fabrik“, der Internationale Bund für

Sozialarbeit und die Oberstufenzentren unterhalten Kontakte insbesondere mit polnischen Partnern.

 

Wichtigster Träger ist zweifellos die Europa Universität Viadrina,. 1991 neu (wieder)ge-gründet, feierte sie in diesem Jahr bereits ihren 500. Geburtstag!. 40 % der 5000 Studierenden kommen aus 75 Ländern, wobei mit einem Drittel der Studentenschaft die polnischen Studierenden den Hauptanteil ausmachen.

Die Universität arbeitet in enger Partnerschaft mit dem Collegium Polonicum in Slubice, einer gemeinsamen Einrichtung der Viadrina und der Adam- Mickiewicz Universität Poznan.

 

Internationale Studentenorganisationen wirken erfolgreich an der Viadrina: die Interstudis,

Elsa, Spotkanie, Lahoda, AEGEE, AIESEC und der international besetzte AsTA.

Die Viadrina kooperiert mit mehr als 140 akademischen Institutionen weltweit, das Spracheninstitut bietet sieben Sprachen (Deutsch, Englisch, Französisch, Spanisch, Polnisch, Russisch und Schwedisch), die Studenten leben und studieren auf beiden Seiten der Grenze, wo sich moderne multilinguale Bibliotheken befinden

Die enge Verbindung zwischen Stadt und Uni wird auch dadurch demonstriert, dass der Oberbürgermeister alljährlich die neuen Studenten zu einem Empfang in das Rathaus einlädt, auf dem sie alles Wissenswerte über ihr neue Gastgeberstadt erhalten.

 

 

 

Frankfurt (Oder), den 20.12.2006

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